Die Apothekerin – Marie Antonia Christine von Spanheym

Als Kind von adligem Geblüt, wuchs ich Marie Antonia Christine von Spanheym, im Oberrheinischen Gebiet auf. Als sechstes Kind einer weitverbreiteten Grafenfamilie, schickten mich meine Eltern ins Kloster Disibodenberg um dort unter Jutta von Sponheim zu dienen.

Als Mitglied der Familie setzte meine Lehrmeisterin großes Vertrauen und Zuversicht in meine Erziehung. Zu dem lernte ich, unter Anleitung der ehrenwerten Nonne Hildegard von Bingen, viel über den Gebrauch von Pflanzen zur ärztlichen Behandlung.  Trotz meiner engen Beziehung zu den Nonnen, weigerte ich mich im Alter von 14 Jahren, den Profess abzulegen. Mein jugendliches Alter ließ mich meine Zurückhaltung vergessen und ich sehnte mich nach der weiten Welt hinter den Mauern des Klosters. Mein Weigern wurde als Zeichen einer schlechten Erziehung gesehen, und so sandten mich meine Eltern an den Hof der Fürstin von Chalem, welche ihnen ihr Land verpachtet hatte.

Die Fürstin vergab mir mein untugendhaftes Benehmen im Kloster und lehrte mich die Abläufe am Hof. So wuchs ich schnell in die Rolle der Hofdame hinein und konnte trotzallem mich weiter den Studien der Pflanzen widmen. Zudem brachte es mir die Möglichkeit, die Reisen der Fürstin zu begleiten und so meinen innigsten Wunsch zu erfüllen.
Als Gesellschafterin und Apothekerin diene ich nun meiner Fürstin.


Historie

Familie von Spanheym?
Der erste Urkundliche Nachweis des Adelsgeschlechtes stammt aus dem Jahr 1065. Die Familie zählt zu einem Dynastengeschlecht, das aus den Rheinfranken stammt. Jutta von Sponheim (auch Jutta von Spanheim), stammt aus dem Grafengeschlecht der Spanheimer und war Reklusin und Vorsteherin (magistra) einer benediktinischen Frauenklause auf dem Disibodenberg.

Hildegard von Bingen?
Hildegard von Bingen war Benediktinerin, Dichterin und eine bedeutende Universalgelehrte ihrer Zeit. In der römisch-katholisch Kirche wird sie als Heilige und Kirchenlehrerin verehrt. Als anfängliche Nonne auf dem Disibodenberg, gründet sie später das Kloster Rupertsberg. Sie veränderte stark das Weltbild seit der Aufklärung und war in ihrer Zeit eine bedeutende Person, als Universalgelehrte.

Apothekerin?
In Mitteleuropa war die Arzneizubereitung im Frühmittelalter zunächst in den Händen der Frauen, mit Ausnahme natürlich der Männerklöster, wo auch bald schon die Arzneizubereitung für Menschen zu beobachten war, die außerhalb des Klosters wohnten.

Profess?
Unter Profess versteht man das Ordensgelübte welches Abgelegt werden muss um Mitglied der Ordensgemeinschaft zu werden. Im Einzelnen verspricht der oder die Professe den christlichen Räten (Ratschlägen) der Armut, der ehelosen Keuschheit und des Gehorsams zu folgen und sich dauerhaft an die Ordensgemeinschaft zu binden.